Vorstellung Arbeitsgemeinschaft Integrierter Ostseeschutz (AGIO)

Netzwerk will Umsetzung des Aktionsplans Ostseeschutz 2030 begleiten

Mit der Arbeitsgemeinschaft Integrierter Ostseeschutz (AGIO) hat sich in Schleswig-Holstein ein neues Netzwerk gegründet, das verschiedene Organisationen und Einzelpersonen aus dem Bereich des Ostseeschutzes miteinander vernetzen möchte.

Nach eigener Darstellung versteht sich die AGIO ausdrücklich nicht als neuer Verein oder Verband, sondern als offenes Netzwerk, das bestehende Initiativen miteinander verbinden und deren Zusammenarbeit stärken möchte. Sprecher der Arbeitsgemeinschaft ist Wolfgang-Dieter Glanz.

Fokus nach dem Ende der Nationalpark-Debatte

Bemerkenswert ist die politische Einordnung der Initiative. Die AGIO macht deutlich, dass sie einen Nationalpark Ostsee weiterhin als geeignetes Instrument für einen besseren Meeresschutz betrachtet hätte. Nachdem dieses Vorhaben jedoch politisch nicht umgesetzt wurde, richtet sie ihren Schwerpunkt nun auf die Begleitung des Aktionsplans Ostseeschutz 2030 der Landesregierung.

Nach eigener Aussage möchte die Arbeitsgemeinschaft dessen Umsetzung “kritisch-konstruktiv” begleiten und den Dialog mit Politik und Verwaltung auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und lösungsorientierter Vorschläge führen.

Ganzheitlicher Ansatz

Im Leitbild beschreibt die AGIO einen integrierten Ansatz des Ostseeschutzes. Die Ostsee wird dabei als komplexes Ökosystem verstanden, dessen Probleme nicht isoliert betrachtet werden können.

Zu den im Leitbild genannten Handlungsfeldern gehören unter anderem:

  • Verbesserung der Wasserqualität,
  • Reduzierung von Nährstoff- und Schadstoffeinträgen,
  • Schutz und Wiederherstellung mariner Lebensräume,
  • klimaangepasster Küstenschutz,
  • Umweltbildung,
  • stärkere Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft.

Die Arbeitsgemeinschaft verweist dabei ausdrücklich auf internationale Strategien wie den Baltic Sea Action Plan (BSAP) und die Arbeit der HELCOM als wichtige Orientierung.

Konkrete Zielsetzungen

Über ihr Leitbild hinaus hat die AGIO einen umfangreichen Zielkatalog veröffentlicht. Dieser umfasst unter anderem Forderungen nach:

  • einer deutlichen Verringerung stofflicher Einträge in die Ostsee,
  • der Bergung von Munitionsaltlasten,
  • einer umweltverträglichen Fischerei,
  • einem nachhaltigen Tourismus,
  • einer stärkeren personellen und finanziellen Ausstattung der Umweltverwaltung,
  • einer intensiveren Zusammenarbeit der Ostseeanrainer.

Daneben enthält der Zielkatalog auch weitergehende politische Forderungen, beispielsweise zu Nullnutzungszonen, Einschränkungen bestimmter Nutzungen oder Veränderungen im Küstenmanagement. Diese stellen Positionen der AGIO dar und sind Teil der laufenden gesellschaftlichen und politischen Diskussion über die zukünftige Ausgestaltung des Ostseeschutzes.

Dialog statt Konfrontation

Auffällig ist die wiederholte Betonung einer kooperativen Arbeitsweise. Die AGIO beschreibt als Grundprinzipien unter anderem:

  • Zusammenarbeit statt Konkurrenz,
  • faktenbasierte Diskussion,
  • Transparenz,
  • gegenseitige Unterstützung,
  • Kooperation zwischen Verbänden, Wissenschaft, Politik und Verwaltung.

Damit unterscheidet sich der Ansatz von einer klassischen Interessenvertretung einzelner Nutzergruppen und verfolgt das Ziel, unterschiedliche Kompetenzen innerhalb eines gemeinsamen Netzwerks zusammenzuführen.

Ein Netzwerk mit außergewöhnlich breiter Expertise

Mit der Gründung der AGIO erweitert sich die Landschaft der Organisationen, die sich mit dem Schutz der Ostsee befassen. Ob und welchen Einfluss das Netzwerk künftig auf die Umsetzung des Aktionsplans Ostseeschutz 2030 oder auf die politische Debatte in Schleswig-Holstein haben wird, bleibt abzuwarten.

Fest steht jedoch, dass sich die AGIO ausdrücklich als Plattform versteht, die bestehende Initiativen vernetzen und den integrierten Ostseeschutz stärker in den öffentlichen und politischen Fokus rücken möchte.

Wer steht hinter der AGIO?

Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Integrierter Ostseeschutz ist Wolfgang-Dieter Glanz, der seit vielen Jahren in unterschiedlichen Bereichen des Umwelt-, Meeres- und Innovationsmanagements in Schleswig-Holstein aktiv ist.

Glanz war über viele Jahre im schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministerium tätig und beschäftigte sich dort unter anderem mit Technologiepolitik, Innovationsförderung und dem Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis. Darüber hinaus engagierte er sich im Maritimen Cluster Norddeutschland sowie in verschiedenen Netzwerken an der Schnittstelle von Wissenschaft, Wirtschaft und Landespolitik.

Heute ist er unter anderem Präsident des Tauchsport-Landesverbandes Schleswig-Holstein (TLV SH). Durch zahlreiche Projekte zum Unterwassernaturschutz, zur Wiederherstellung von Seegraswiesen und zur Umweltbildung gehört er zu den bekannten Akteuren des marinen Naturschutzes im Land. Seine besondere Stärke liegt darin, wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischen Erfahrungen aus dem Tauchsport und der ehrenamtlichen Naturschutzarbeit zu verbinden.

Sein fachlicher Schwerpunkt liegt auf einem integrierten Ansatz des Ostseeschutzes, der ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte gemeinsam betrachtet. Diese Sichtweise prägt auch das Leitbild der AGIO.

Weiterführende Informationen:

  • Arbeitsgemeinschaft Integrierter Ostseeschutz (AGIO) – Initiative zur Förderung eines ganzheitlichen Schutzes der Ostsee unter Einbeziehung von Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft.
  • Tauchsport-Landesverband Schleswig-Holstein – Dachverband der Tauchsportvereine im Land, engagiert im Umwelt- und Gewässerschutz: https://www.tlv-sh.de
  • Maritimes Cluster Norddeutschland – Netzwerk zur Stärkung der maritimen Wirtschaft und Innovationen in Norddeutschland: https://www.mc-n.de
  • GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel – international renommiertes Forschungsinstitut für Meereswissenschaften, u. a. aktiv im Seegrasschutz: https://www.geomar.de