14 Tage lang erkunden Wissenschaftler auf dem Forschungsschiff „Elisabeth Mann Borgese“ sauerstofffreie Gebiete in der westlichen Ostsee und machen dabei erstaunliche Entdeckungen. Ein Besuch an Bord.
Toxisch. Ein Wort genügt Florian Scholz, um zu beschreiben, wie es um den Ostseegrund an vielen Stellen bestellt ist. Der Bio-Geochemiker ist gemeinsam mit seiner Professorenkollegin, der Geomikrobiologin Mirjam Perner vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, gerade von einer 14-tägigen Forschungsreise in der westlichen Ostsee zurückgekehrt.
„Das Gebiet ist für das häufige Auftreten sauerstoffarmer Zonen im Spätsommer bekannt. Besonders problematisch ist dabei die Freisetzung von toxischem Schwefelwasserstoff am Meeresboden“, sagt der Wissenschaftler und deutet auf eine Probe, die er aus dem Meeresgrund gezogen hat.
Auf der Suche nach Schwefelwasserstoff
In der Röhre finden sich rund 50 Zentimeter Wasser und 30 Zentimeter schwarze Sedimente. Würde Scholz das Gefäß öffnen, würde es nach faulen Eiern riechen. „Ein untrügliches Zeichen für Schwefelwasserstoff.“
Und der ist – genau – toxisch, was bedeutet, dass dort, wo er im und über dem Meeresboden auftritt, außer Mikroorganismen kein Leben mehr möglich ist. In den Medien heißen diese Gebiete oft Todeszonen, weil es dort keinen Sauerstoff mehr gibt, aber Scholz ist der Begriff „sauerstoffarme Gebiete“ lieber.
Er hat viele davon gesehen und erforscht. Insgesamt 90 Stationen haben die Forscher während ihrer Fahrt von der Flensburger Förde entlang der Küste bis nach Fehmarn kontrolliert. „Wir wollen herausfinden, unter welchen Umständen und wo genau Schwefelwasserstoff aus dem Sediment ins Bodenwasser freigesetzt wird“, erklärt Mirjam Perner. „Mit diesen Erkenntnissen können wir Risiken für Meeresorganismen besser vorhersagen und die Rolle der Ostsee unter Einfluss des Klimawandels genauer bewerten.“
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